Menu

Öffentlicher Anlass (virtuell)

Freitag, 07. Mai 2021, 20:00 Uhr

Weitere Informationen zu diesem Anlass

Am Freitag, 7. Mai findet unser zweiter virtueller, öffentlicher Astronomie-Abend statt. Beginn ist um 20 Uhr. Organisiert wird der Abend von Claudio Abächerli (Vizepräsident AGO). Er wird einen Vortrag halten mit dem Titel «Zeit in der Astronomie – Die Sonne als Taktgeber und wie man eine Sonnenuhr korrekt interpretiert». Wir freuen uns auf Ihren virtuellen Besuch an unserem Anlass.

Für die Teilnahme bitte folgenden Link öffnen und auf "Beitreten" klicken:
https://meet.jit.si/AGO_virtueller-oeffentlicher-Anlass_2021-05-07

Bericht

Am 7. Mai waren wir zum dritten virtuellen Astronomie- Anlass des Jahres geladen. Um 20 Uhr konnte Claudio, der Organisator des Abends, etwa 20 Teilnehmer via Internet begrüssen. Das Thema des Abends war die Zeit in der Astronomie, die Sonne und wie man eine Sonnenuhr richtig abliest. Zu Beginn ging Claudio auf die Eigenschaften der Zeit ein. Sie hat z.B. einen Beginn (beim Urknall), fliesst nur in eine Richtung und sie ist, wie Einstein postulierte, relativ: je schneller man sich bewegt, oder je grösser die Schwerkraft, desto langsamer vergeht die Zeit.

Die „absolute“ Zeit kann man nicht messen; vielmehr misst man Zeitintervalle. Noch bevor es mechanische Uhren gab, dienten astronomische Daten zur Angabe von Zeitspannen: die Umlaufzeit der Erde um die Sonne als Jahr, die Umlaufzeit des Mondes um die Erde als Monat und die Zeit zwischen zwei Sonnenhöchstständen als Tag. Bereits die Babylonier haben den Tag in 24 Intervalle, also Stunden, unterteilt. Eine Stunde entspricht einer Bewegung der Sonne von 15°, was man am Schatten eines in die Erde gesteckten Stabes verfolgen konnte.

Benutzt man den örtlichen Sonnenhöchststand (12 Uhr mittags) als Referenz, ergeben sich zwei Probleme: Erstens, dass dieser Zeitpunkt, der sogenannte «Wahre Mittag», von der geographischen Lage abhängig ist. So braucht die Sonne 18 Minuten zum Überqueren der Schweiz: in Brig ist also früher Mittag als z.B. in Genf.

Zweitens bewegt sich die Erde nicht immer gleich schnell, so dass der Zeitpunkt des Sonnenhöchststandes im Laufe des Jahres um bis zu +16 Minuten vom Mittelwert («Mittlere Sonne ») abweichen kann (Analemma). Zur Lösung des ersten Problems wurden 24 Zeitzonen geschaffen, innerhalb deren dieselbe Zeit gilt (Mittag am Referenzmeridian der Zeitzone, für uns 15° Ost).

Um das zweite Problem zu lösen erfand man eine theoretische „Mittlere Sonne“ die immer regelmässig läuft und jeweils nach genau 24 Std. den Ortsmeridian wieder durchquert.

Somit haben wir an einem beliebigen Standort vier verschiedene Zeiten (ausser für Ortschaften entlang des Referenzmeridians der Zeitzone): die wahre Ortszeit WOZ (basiert auf der „wahren Sonne“), die mittlere Ortszeit MOZ (basiert auf der erfundenen „mittleren Sonne“), die wahre Zeit der Zeitzone (Referenzmeridian) und die mittlere Zeit der Zeitzone. Letztere ist die Zeit, die wir an unseren Uhren ablesen. Dies muss man wissen, um Sonnenuhren zu verstehen.

Nun ging Claudio auf die verschiedenen Arten von Sonnenuhren ein. Am gebräuchlichsten sind Sonnenuhren an einer Wand mit einem polaren Schattenstab (also erdachsenparallel). Diese zeigen in der Regel die wahre Ortszeit an, weichen also von der offiziellen Uhrzeit wesentlich ab. Merkmal: die Mittagslinie ist immer senkrecht.

Andere berücksichtigen die Längenkorrektur und geben die Wahre Zeit der Zeitzone wider. (Merkmal: Mittagslinie bei uns nach Westen geneigt). Manche Uhren geben noch Korrekturen in Form von Grafiken oder Tabellen an (sog. „Zeitgleichung“ = MOZ – WOZ am Tag X).

Es gibt aber auch noch andere Sonnenuhren. So werden z.B. bei einem Typ die Italienischen Stunden angezeigt (Anzahl Stunden bis Sonnenuntergang, als 24/0 definiert) oder der Tag beginnt bei Sonnenaufgang (Babylonische Stunden). Selten kann man kanonische Stunden ablesen, also die Gebetsstunden in einem Kloster.

Neben den Sonnenuhren an der Wand stellt Claudio noch andere Formen wie ringförmige oder zylindrische Sonnenuhren vor. Zuletzt weist er noch auf Sprüche hin, die manchmal den Sonnenuhren beigefügt sind und oft an die Vergänglichkeit der Menschen erinnern.

Nach knapp eineinhalb Stunden war das virtuelle Treffen vorüber. Wir danken Claudio für den interessanten Vortrag. In Zukunft werden wir die Sonnenuhren sicher besser lesen können. Anbei noch zwei Links zu Sonnenuhren: Die Sonnenuhrenenseite von Norbert Mathieu und Robert Glaisen: sonne.vallensis.ch Die umfangreiche Webseite sundials.eu erklärt alles zu Sonnenuhren, allerdings nur auf Englisch oder Italienisch.

News

AGO Mitteilungen November 2021
Die Mitteilungen des aktuellen Monats sind unter Medien > Mitteilungen im PDF-Format zu finden. Sie beinhalten folgende Themen: - Termine - Mondk [...]
AGO Mitteilungen Oktober 2021
Die Mitteilungen des aktuellen Monats sind unter Medien > Mitteilungen im PDF-Format zu finden und beinhalten folgende Themen: - Termine im Oktobe [...]
Zu den News

Sternkarte

Die Sternkarte gibt Ihnen einen Überblick über die aktuellen Positionen der Planeten, Sterne und Sternbilder, vom Simplonpass aus gesehen. Klicken Sie auf das Bild, um die Grossansicht zu öffnen.

© Robert Glaisen / astro.vallensis.ch

Beobachtungsvorschlag

Zehn "einfache" Beobachtungsobjekte für Teleskop oder Feldstecher. Jeden Monat neu erstellt durch Remo Glaisen.
Ausgabe Dezember 2021 herunterladen

Sponsoren

Wir danken unseren zahlreichen Sponsoren, die den Bau der Sternwarte ermöglicht haben.
Mehr über unsere Sponsoren